Draußen, auf den Höhen des Odenwalds, ebenso im Erf- und Maintal, flimmerte die Hitze wie ein unbarmherziger Schleier über dem Asphalt. Drinnen, in der geschichtsträchtigen Dicke der Mauern von St. Mauritius Heppdiel, suchte eine versammelte Gemeinde Zuflucht vor der profanen Glut der Welt.
Eigentlich gebot es die Tradition, den Glauben an diesem Abend unübersehbar hinauszutragen. Der rituelle Schritt, die feierliche Prozession von der Pfarrkirche hinaus zum Ortsende in Richtung Schippach und wieder zurück, musste der klimatischen Realität weichen. Hitzebedingt entfiel der Gang durch die Fluren. Wer wollte es den Gläubigen verargen? Die Monstranz blieb im geschützten Raum.
Was draußen auf den ersten Blick wie ein Verlust an barocker Pracht gewirkt haben mag, entpuppte sich im Inneren der Kirche als eine Konzentration auf das Wesentliche. Wo der Schritt nach außen blockiert ist, bleibt nur der Weg nach innen.
Von 18:30 Uhr bis 19:30 Uhr luden die Ewige Anbetung und der anschließende Gottesdienst mit Pfarrer Artur Fröhlich zu einer Stunde des Innehaltens ein.
Die Ewige Anbetung – historisch einst als Antwort auf die Krisen einer zerrissenen Welt und als Dauerdialog mit dem Göttlichen institutionalisiert – bewies an diesem frühen Abend ihre ungebrochene Aktualität. In einer Epoche, die von permanenter digitaler Beschleunigung und globaler Unruhe getrieben ist, wirkt das stille Verharren vor dem eucharistischen Brot wie ein Akt der Entschleunigung.
Pfarrer Fröhlich verstand es in der Liturgie, diesen Bogen von der jahrhundertealten Tradition in das Hier und Jetzt zu spannen: Das Gebet vor dem Allerheiligsten sei kein verstaubtes Relikt, sondern ein hochaktueller Ankerpunkt der Seelenruhe im modernen Alltag, betonte der Geistliche.
Hier drinnen zählte nicht das Thermometer, sondern das Metronom des Herzens. Der anschließende Gottesdienst besiegelte eine Stunde, die den Besuchern zeigte, dass die Kirche gerade dann am stärksten zu sich selbst findet, wenn sie sich ganz auf ihren spirituellen Kern besinnt.
Fazit: Die Prozession fiel wegen der Hitze aus, doch fand die Gemeinde im Gotteshaus St. Mauritius den tiefsten Trost im kühlen Raum.
Rext und Bilder: Roland Schönmüller


