Vor der Pfarrkirche St. Bilhildis setzte sich der Zug in Bewegung, angeführt von Pfarrvikar Krzysztof Winiarz und begleitet von der hiesigen Musikkapelle, deren warmer Klang den Ort erfüllte. Der Weg führte durch Richelbach, vorbei an alten Bauernhäusern und neuen Wohnbauten, flankiert von Brunnen, Bildstöcken, Kreuzen und Hausmadonnen, die dem Abend jene stille, vertraute Frömmigkeit gaben, die den Bittgang seit Generationen prägt.
Pfarrvikar Winiarz hob in kurzen liturgischen Impulsen die Bedeutung der Bittprozession hervor: dass sie ein Gehen zwischen Erde und Himmel ist, ein sichtbares Zeichen dafür, dass der Mensch nicht alles in der Hand hat und dennoch Verantwortung trägt – für die Schöpfung, für das tägliche Brot, für Frieden und Zusammenhalt. In diesem Gehen verbinden sich Bitte, Dank und Hoffnung zu einer Haltung, die den Alltag übersteigt, ohne ihn zu verlassen.
Kinder lauschten den Instrumenten, Jugendliche fanden ihren eigenen Rhythmus, und die Gemeinde erlebte den alten Brauch als lebendiges Ritual, das gerade im Abendlicht seine zeitlose Kraft zeigte.
Mit der anschließenden Messe in St. Bilhildis fand der Bittgang seinen ruhigen Abschluss und machte spürbar, wie fest die Tradition in Richelbach verwurzelt bleibt – und wie sie Jahr für Jahr neu Bedeutung gewinnt. Weitere Bittprozessionen fanden in Eichenbühl, Umpfenbach, Heppdiel, Neunkirchen und Riedern statt.
Text und Foto: Roland Schönmüller

